Freitag, 17. Oktober 2025

Koalitionsstreit um Rente

Das junge Abgeordnete diese Rentenreform stoppen ist grundsätzlich gut. Leider haben auch sie keine Idee dazu geliefert, wie das Rentensystem endlich nachhaltig und deutlich gerechter reformiert werden kann. Statt dessen werden Milliarden in ein kaputtes System ohne den Hauch einer gerechten Rente gesteckt.
  
Wir brauchen aber ein einfacheres, digitales und zukunftssicheres Rentensystem. Es muss sich an den individuellen Bedürfnissen der Versicherten orientieren. Alle Bürger*innen müssen ohne Ausnahme in das System einzahlen. Entweder nach einem einheitlichen Satz ohne Beitragsgrenze oder mit Beitragsobergrenze und nach oben gekappter Rente. 
Wesentliche Elemente sind die Verbesserung des Zugangs zu Leistungen, die Vereinfachung von Antragsverfahren, die Stärkung von Prävention und Rehabilitation sowie eine bessere Integration von Arbeit und Rente, zum Beispiel durch flexible Hinzuverdienstmöglichkeiten. Kernbereiche eines neu aufgestellten Rentensystems sollten Digitalisierung und Serviceorientierung, Vereinfachung, Prävention und Rehabilitation, Flexibilität im Alter und finanzielle Stabilität sein. Bei einer neuen Rentenversicherung sollte der Fokus auf Gesundheit, Bildung und sinnstiftender Arbeit liegen. Die Rentenhöhe sollte staatliche Zusatzleistungen wie die Grundsicherung im Alter überflüssig machen. 

Bürgergeld abgeschaft?

Die Bundesregierung schafft das Bürgergeld ab. Eine echte Reform ist das aber keinesfalls, nicht mal ein Reförmchen.
Die Ankündigung, man wolle Arbeitsverweigerern die Unterstützung komplett streichen
ist nur ein angeln nach Wählern aus der rechten Szene. 
Das Grundgesetz garantiert das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum durch die Artikel 1 (Menschenwürde) und 20 (Sozialstaatsprinzip). 
Dieses grundgesetzlich garantierte Existenzminimum verbietet eine komlette Strechung von Sozialbezügen und auch Kürzungen, die unter das Existenzminimum gehen.
Grundsätzlich fehlt seit Jahrzehnten eine echte Eingliederungspolitik in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Ob es Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Hartz IV, Bürgergeld, oder demnächst wie auch immer heisst, spielt keine Rolle. 
Das System der Arbeitsverwaltung ist seit Bestehen vom Grund her unverändert. 80-90% der Beschäftigten in Arbeitsagenturen und Jobcentern sind in der Verwaltung tätig, der Rest ist in der Vermittlung. Arbeitslose Menschen werden zu wenig weitergebildet und vor allem zu niedrig oder zu wenig beruflich qualifiziert.
Die Quote von Verweigeren liegt seit ewigen Zeiten (und das ist weltweit in allen Arbeitsmartkhilfssystemen so) liegt relativ konstant unter 3%. Darunter sind viele Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen langfristig nicht arbeiten können. Dazu kommen in Deutschland an 2. Stelle konstant jedes Jahr ca. 60.000 Schulabgänger, die nicht mal den Hauptschulabschluss erreicht haben. Jetzt das Bürgergeld als "abgeschafft" zu bezeichnen, an der Grundsicherung festzuhalten und gleichzeitig den so genannten "Verweigeren" mit Entzug der finziellen Hilfen wird eine Ankündigung bleiben. Was weiter fehlt ist eine strukturelle und qulitativ hochwertige Reform. 

Sonntag, 21. September 2025

PV-Anlagen ohne Einspeisevergütung – lohnt sich das?

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen kippen und bewegt sich dabei ganz auffällig in der Fehlertradition der Vorgängerregierung und ihrem unglücklichen angeblichen Verbot fossiler Heizungen.

Ministerin Reiche verkündete nun, die Förderung für private Photovoltaik-Anlagen müsse gestrichen werden. Die Photovoltaik-Dachanlagen rechneten sich auch schon ohne die bisher zugesicherte Einspeisevergütung. Zudem liege ihr der Stromnetzausbau am Herzen, der dürfe nicht verteuert werden, was die Einspeisesperre für private PV-Dachanlagen notwendig mache.
Doch die geplante Streichung der Einspeisevergütung für private PV-Anlagen kann viele Hausbesitzer und Installateure hart treffen.

Unsicherheit ist der Feind der Investitionen

Die (vorige) Regierung hatte einige KfW-Förderungen eingestellt oder zur Disposition gestellt und damit die Bedingungen bei der Energiesanierung unberechenbar gemacht. In der Folge sind die Sanierungszahlen im Bestand komplett eingebrochen. Gleichzeitig kam der Markt der Wärmepumpen nahezu zum Erliegen. Auch beim Neubau ging nur wenig voran, da kein Bauträger mehr in der Lage war, Bau- und Anlagenkosten seriös abzuschätzen.
Seit eineinhalb Jahren schlingert die Branche der Gebäudebauer und Sanierer von einer Unberechenbarkeit in die nächste. Was die Wirtschaft seit Trumps Amtsantritt im Großen mit seiner erratischer Zollpolitik erlebt, darf die lokale Wirtschaft aufgrund der Unsicherheiten der politischen Rahmenbedingungen hierzulande ausbaden.
Wird die Einspeisevergütung jetzt wirklich gekappt, dürften viele private Hausbesitzer auf den Bau neuer Anlagen vorerst verzichten und Installateure ihr Personal abbauen.
Kommt heute schon die PV-Technik und damit etwa 20 Prozent der Wertschöpfung bei Dach-PV-Anlagen aus China, wird man dann bei einer wieder steigenden Nachfrage auf ausländische Installateure zurückgreifen müssen.

Mehrwertsteuererlass für kleine PV-Anlagen steht auf der Kippe

Die Wirtschaftsministerin unterschlägt dabei zwei wichtige Dinge. Eine wirkliche Förderung von Solaranlagen gibt es tatsächlich nicht, denn Immobilienbesitzern wird bei der Anschaffung nicht geholfen.
Wenn jemand einen Kredit für seine geplante PV-Anlage aufnehmen muss, um seine rund 20.000 Euro teure Einfamilienhausanlage zu kaufen, kann er zwar einen KfW-Kredit bekommen. Wirklich günstig ist dessen Zinssatz mit rund 3,25 Prozent jedoch nicht. Für die gleichen Konditionen bekommt er aktuell auch einen Kredit bei seiner Hausbank.
Wer die Photovoltaik-Anlage dagegen direkt und ohne Kredit bezahlt, erhält in den meisten Fällen keinerlei Zuschüsse, weil viele Länder und Kommunen ihre Förderprogramme inzwischen wieder eingestampft haben.
Käufer bekommen aktuell nur die Mehrwertsteuer erlassen, zahlen aber den vollen Anlagenpreis. Der Mehrwertsteuererlass für kleine PV-Anlagen war bisher die einzige politisch erfolgte Hilfe bei den gewünschten Investition in dezentrale PV Technik.

Wenn die Ministerin jetzt behauptet, dass sich der Betrieb über den eingesparten Stromverbrauch schon heute rechnet, gilt dies nur für Eigenheimbesitzer und Selbstverbraucher, auf die Dauer von etwa 20 Jahren. Für Mehrfamilienhausbesitzer und Vermieter gilt diese Rechnung nicht. Warum sollten sie jetzt ihre Immobilien ebenfalls mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten, wenn nur der Mieter von der Stromproduktion profitiert, aber nicht der Hausbesitzer selbst.
Für Mehrfamilienhausbesitzer und Vermieter war die Einspeisevergütung bisher wenigstens ein kleiner Anreiz. Eine Belohnung für jene Phasen, in denen die Anlage mehr Strom produziert, als die Hausbewohner über den Konsum abnehmen.

Netztrennung bei optimierter Kombination von PV und Speicher

Während die Eigenheimbesitzer eine Lösung des Problems in Form eines PV-Speichers und einem intelligenten Stromverbrauchsmanagement im eigenen Haushalt finden können, bleibt dieser Ansatz den Mietern verwehrt, die auf das bestehende öffentliche Netze angewiesen bleiben.
Dessen Kosten werden auf die verbleibenden Nutzer umgelegt und auch ohne weiteren Netzausbau steigen, wenn sich immer mehr Eigenheimbesitzer auf eine eigene netzunabhängige Stromversorgung stützen und sich dann zusätzlich noch mit ihren Nachbarn zusammentun können, um die Eigenversorgung zu optimieren.
In Österreich ist das Energy Sharing mit der Nachbarschaft seit 2017 problemlos möglich. In Deutschland soll es nächstes Jahr kommen, falls sich die Vorgaben bis 2026 nicht schon wieder geändert haben.
Speicher könnten auch von den Verteilnetzbetreibern im öffentlichen Netz eingerichtet werden und die Differenz zwischen billigem Strom zur Mittagszeit, wenn kaum ein Eigenheimbesitzer zu Hause ist, und der Dämmerungszeit, wenn alle nach Hause kommen, als Verdienst erwirtschaften.

Aber weil diese das Hochrüsten ihrer Anlagen offenbar zu gemütlich planen, droht die Ministerin jetzt, die Einspeisung der privat finanzierten Klein-PV-Anlagen zu kappen, statt den Verteilnetzbetreibern endlich Beine zu machen und mehr Speicher zu schaffen.

Die Endverbraucher müssen auf sich aufmerksam machen

Die Bürger können die Energiewende durchaus selbst in die Hand nehmen, wenn sie nicht auf die verschlafene Bundespolitik warten. Mit einer dezentralen, bürgergetragenen Energieversorgung können wir unsere Energie in die eigene Hand nehmen und die Abhängigkeit von großen Konzernen und fossilen Brennstoffen verringern. Doch dazu brauchen wir klare politische Rahmenbedingungen und echte Unterstützung für Bürgerenergie-Initiativen und -beratern.

Zu viel grüner Strom?

Die Sorge um Netzinstabilität ist unbegründet.

Wir schreiben das Jahr 2045, der Weltuntergang ist ausgeblieben. Keine Gaskraftwerk-Landschaften, keine dystopischen Staubstürme, stattdessen: voll elektrifizierte Städte, Blühend und grün. Überall flirrende Solarmodule auf jedem Dach und teilweise an Fassaden. Hausfassaden aus Algenbeton, leises Surren autonomer Elektroautos. Aus der Wärmepumpe im Vorgarten weht ein Hauch. Die nächste Energiekrise ist einfach ausgeblieben.

Tatsächlich müssten wir nicht bis 2045 warten. Diese Vision können wir bereits jetzt Wirklichkeit lassen. Schon lange liefern Sonne und Wind zuverlässig Energie: geräuschlos, emissionsfrei, ohne Unterbrechung. Die Sonne strahlt in gerade mal zwei Minuten so viel Energie auf die Erde, wie die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. Wir müssen dieses Potenzial nur nutzen, indem wir es intelligent steuern, speichern, und nutzen.

Wir brauchen dafür eine in die Zukunft ausgerichtete Politik. Doch stattdessen erleben wir gerade die X-te Rolle rückwärts: Die Bundesregierung plant bis zu 70 neue Gaskraftwerke mit 20 Gigawatt Leistung, finanziert von der Allgemeinheit, also von uns allen. Die absurde Begründung: zu viel grüner Strom gefährdet angeblich die Netzstabilität. Das ist, als würde man mmit Flusswasser kostenlos angetriebene Turbinen abschalten, aus Angst vor „zu viel sauberer Wasserenergie“. Sonne und Wind können uns genug Strom liefern – die Kunst ist, ihn intelligent steuern, speichern und nutzen. 

Es fehlt die Flexibilität im Netz

Wir müssen keine Dunkelflaute fürchten, wenn wir den Ausbau Erneuerbarer konsequent vorantreiben. Sonne und Wind ergänzen sich meist antizyklisch. Die Strommenge ist nicht die größte Herausforderung. Das ist vor allem der Umgang mit schwankender Einspeisung. Was fehlt, ist Flexibilität im Netz. Preislich macht es zur Zeit kaum einen Unterschied, ob Strom bei Überangebot oder Knappheit eingespeist oder verbraucht wird. Die meisten Stromtarife und Einspeisever-gütungen sind noch starr. Sie folgen nicht dem tatsächlichen Angebot und Bedarf.

Die Herausforderung ist die schwankende Einspeisung.

Doch in den letzten zwei Jahren gab es Fortschritte: Die Kapazität von Stromspeichern ist in Deutschland um 150 Prozent gestiegen. Gut zwei Millionen Haushalte verfügen über einen Heimspeicher, die Sonnenstrom zwischenspeichern. Doch viele davon werden nicht intelligent genutzt. Ihr Potenzial liegt brach, obwohl sie helfen könnten, das Netz zu entlasten.

Ein Schlüssel dafür sind Smart Meter. Mit diesen intelligenten Stromzählern können wir Solaranlagen, Speicher, Wärmepumpen, E-Autos und Haushaltsgeräte vernetzen – und passen den Verbrauch automatisch an Angebot und Preis an. 

Aktuell sind aber nur etwa zwei Prozent der Haushalte in Deutschland damit ausgestattet. In Italien hingegen besitzt fast jeder Haushalt einen Smart Meter. Dort begann die Einführung schon in den frühen 2000er-Jahren.

Die Zeit drängt. Die Elektrifizierung nimmt Fahrt auf: Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, E-Autos den Verbrenner, selbst Industrieprozesse laufen zunehmend elektrisch. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird Strom zur zentralen Energieform: sauber, effizient und steuerbar.

Donnerstag, 5. Juni 2025

Mitsommerabend-Picknick in der Waldschule

 


 

 Feste & Feiern am Samstag, 21.6.2025 von 18.00 bis 22.00 Uhr in der Nussallee

Der Zukunftsladen Re:Wir Wilhelmshöhe lädt ein zum Mitsommer-Picknick auf dem traditionsreichen Gelände der Waldschule - wunderschön am Rande des Habichtswaldes gelegen.

Bringt gerne eine Decke mit oder eine Sitzgelegenheit, etwas zum Trinken und zum Verzehren. Geschirr und Gläser haben wir vor Ort.

Musikalisch umrahmt wird unser Abend von Trommeln, Ukulele und Gesang, die Leitung hat die großartige Musikerin Antje Köhn.
https://www.antjekoehn.de

Unser Dank gilt dem Förderverein der Waldschule, der uns dies Angebot an alle ermöglicht.
Dieses Jahr feiert die Waldschule übrigens ihren 99. Geburtstag. Wir gratulieren!
https://www.waldschule-kassel.de


Unterstützt werden wir vom Nachhaltigkeitslabor der Universität Kassel.
Auch dafür besten Dank, ganz besonders an Dr. York Kautt.
https://sdgpluslab.de

P.S. Hunde dürfen leider nicht auf das Gelände.

Anmelden könnt Ihr euch hier 
https://nebenan.de/feed/41752767

mit einem Klick auf "Zusagen" 

 


Mittwoch, 19. Februar 2025

Die Energie der Zukunft

Rückkehr zur Kernkraft, Windräder abreißen, "Technologieoffenheit": Die Energiewende wird im Wahlkampf heiß diskutiert.
Die Regeln der Physik sind aber eindeutig.




Wir wollen Licht, wenn es dunkel ist, Raumwärme, wenn es kalt ist. Wir brauchen Energie für die Industrie und sogar um Videos zu sehen, Energie bewegt uns, sie ist sehr eng mit unserem täglichen Leben verbunden.
Was auch immer mit Energie gemacht wird oder in welcher Form wir sie nutzen - dabei gelten immer genau zwei Gesetze der Physik. Je häufiger Energie umgewandelt wird, desto weniger wird sie nurtzbar. Je weniger sie genutzt wird, desto mehr wird erhalten. Der Trend der Technologie geht schon immer dahin, möglichst Umwamdlungen anzuwenden. Die Energienutzung wird also immer effizienter.
Dabei bauen wir die Stromnetze immer weiter, teilweise bereits überdimensioniert, aus. Doch das ist zeitaufwändig, teuer, ineffizient und nicht zeitgemäß.

Immer noch treibt die Verbrennung unsere Gesellschaft an. Wir verbrennen seit der industriellen Revolution fossile Energieformen wie Kohle, Öl und Gas. Gaslaternen erzeugten Licht, Dampfloks erzeugen Bewegung, aus Eisenerz wird Stahl. Immer entsteht dabei sehr viel Wärme.
Alle diese Technolgien sind auf dem Abstellgleis, wurden z.B. durch LEDs oder ICEs erzetzt. Dabei wird der Zwischenschritt "Wärme" vermieden und der Strom direkt genutzt. Die Elektromotoren der ICEs wandeln Strom nahezu verlustfrei in Bewegung um und beim Bremsen wieder zurück in Strom. LEDs emittieren nur noch die Wellenlängen, die wir brauchen. Wir erreichen also das gleiche Ziel mit weniger Einsatz von Primärnergie, werden efffizienter.

Die Menschen brauchen weltweit immer mehr Energie, zur Produktion von Nahrung, als Licht- und Wärmequelle. Zu einem erheblichem Teil wird Strom immer noch über die Verbrennung erzeugt. Es sind immer noch fossile Energien. Unsere Kraftwerke wandeln bei der Energieerzeugung jedoch weniger als 50% in elektrische Energie um. Es ist dabei egal, ob es sich um Kohle, Gas oder Kernkraft handelt. Was nicht zu Strom wird landet als Abwäre in der Atmosphäre, über den Umweg gigantischer Kühltürme oder Autokühler. Geht auch nicht anders, da sind die Gesetze der Thermodynamik unerbittlich.


Kommen wir mit dem Ausbau vom Stromnetz hinterher? Wird Strom damit billiger? Ist die Energiekrise damit überwunden?
Der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie in den letzten Jahren hat die Enegieerzeugung deutlich verändert. Photovoltaik und Windturbinen sind deutlich effizienter denn sie nutzen keine Wärme als Zwischenschritt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde Strom fast vollständig über Wärmekraftwerke erzeugt. Seit Ende 2024 ist es nur noch knapp die Hälfte. Den Rest bringen uns Sonne- und Windenergie. Damit hat sich unser Primärverbrauch seit Beginn der 1990er Jahre bei gleich hohem Stromverbrauch um mehr als 20% reduziert. Wie bei der Erzeugung von Licht passiert also genau das Gleiche: Verbrennung und Wärme wird ersetzt, die Stromerzeugung wird deutlich effiziemter und preiswerter.

Elektrizität erleben wir in immer mehr Bereichen, aktuell bei Elektromobilität und Wärmepumpen. Die Technologien dafür gibt es schon längst, das E-Auto für Mobilität und Wärmepumpen zum Heizen. Trotzdem wird in beiden Bereichen immer noch zu viel verbrannt. Immer noch werden erneuerbare Energien durch das "Aufwärmen" von Begriffen wie "Technologieoffenheit" oder Kernenergie in der Politik wieder aufgewärmt. Es ist wohl vor allem die Ideologie und Lobbyarbeit jener, deren Geschäftsmodell und Gewinn auf fossilen Energien basiert. Dadurch wird echter Fortschritt aktiv verhindert.
Die Energiewende ist jedoch das Gegenteil von Ideologie: Sie basiert auf Rationalität und der Physik.

Dienstag, 18. April 2023

Benachteiligung ambulanter Pflegealternativen

 Im Rahmen der kürzlich vorgelegten Pläne für ein Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) werden ambulante und alternative Formen der Pflege benachteiligt.
Zu begrüßen ist die Entlastung bei den Eigenanteilen in der stationären Pflege. Falsch ist aber, dass diese Entlastung nicht für den ambulanten Bereich gilt. Aktuell berichten die ersten ambulant betreuten Pflegewohngemeinschaften von Angehörigen, die sich jetzt lieber für das stationäre Angebot entscheiden. Außerdem sind erste Fälle aufgetreten, bei denen Sozialhilfeträger im Bedarfsfall die Kosten für ambulante Pflegewohngemeinschaften im Vergleich zu stationären Einrichtungen als unverhältnismäßig einstufen und eine Finanzierung infrage stellen. In der Folge werden sich lokale Initiativen, Dienstleistende und Kommunen aus geplanten WG-Projekten zurückziehen, weil sie das finanzielle Risiko nicht tragen können. Dann wird sich ein Wohnangebot entwickelt, das in Zukunft primär Menschen mit höherem Einkommen vorbehalten bleibt.
Ich halte eine solche Entwicklung angesichts der enorm gewachsenen Pflegeaufgaben nicht für zielführend. Wir brauchen statt dessen eine Vereinfachung und Flexibilisierung des Leistungsrechts. Eine sektorenübergreifende Versorgung in Kombination mit einer auf den pflegebürftigen Menschen konzentrierten Qualitätssicherung wird einer am individuellen Bedarf orientierten Versorgung am nächsten kommen. Damit können auch langwierige Diskussions- und Anpassungsprozesse zur Einordnung, Abgrenzung und Gleichberechtigung der Leistungsansprüche in unterschiedlichen Wohnformen vermieden werden. Denn das erschwert bislang in der Regel die Entwicklung und Verbreitung neuer Wohn- und Versorgungsformen.
Mit dem vorliegenden Entwurf wird die schon bestehende bevorzugte Behandlung stationärer Pflegeformen weiter gestärkt. Ein selbstbestimmtes Leben im Pflegefall wird damit immer stärker behindert. Für die ambulante Pflege sollte ebenfalls der Grundsatz "Ambulant vor Stationär" gelten.