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Sonntag, 26. Oktober 2025

Zukunftsladen Re:Wir Wilhelmshöhe ist beim Lichterfest dabei!

Es gibt einen Ort für nachhaltige Zukunft in Wilhelmshöhe! Vor zwei Jahren gestartet, zeigt das bunte Re:Wir, wie vielfältig er inzwischen genutzt wird. 

Für drei Stunden öffnet der Zukunftsladen Wilhelmshöhe erneut als POP-UP: diesmal mit Infostand draußen auf der Allee im ehemaligen Waldorfshop. 

Erleben Sie, welche sozialen und ökologischen Themen auf dem Weg sind.

Wir sind offen, optimistisch, vielfältig und kreativ. Fragen Sie nach, informieren Sie sich am Stand vor der Tür oder drin im Laden. Leben Sie mit uns aktiv eine kleine Utopie direkt im Stadtteil.
Wenn Sie gerne Teil des Zukunftsladens werden bzw. mal reinschnuppern möchten, sprechen Sie uns einfach an!

Gleichzeitig kann man die Ausstellung "ELEUSIS - Malerei und Zeichnung von Michael Evers" dort besuchen.

Sie finden uns im Anthroposophischen Zentrum Kassel in der Wilhelmshöher Allee 261 am 31.10.2025 von 18.00 bis 21.00 Uhr!


Freitag, 17. Oktober 2025

Menschen mit Migrationsgeschichte als Problem bezeichnet

 Erst der bayrische Ministerpräsident Söder, nun Bundeskanzler Merz. Mit ihren Aussagen, Menschen mit Migrationsgeschichte als Problem im Stadtbild zu bezeichnen disqualifizieren sich beide erneut als Amtsträger. 

Sie zeigen damit eine völlige gesellschaftspolitische Unwissenheit. Im Jahr 2024 lebten in Deutschland laut Mikrozensus 25,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, was 30,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Davon waren 12,2 Millionen ausländische Staatsangehörige und 13,0 Millionen deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund. 
Wie schaffen es die beiden Herren es, auch nur einen aus der Menge von 30,4% korrekt als Migranten zu identifizieren? Davon abgesehenen ist dieses Land schon seit ewigen Zeiten ein Ein- und Durchwanderungs-land. Ohne diese eingewanderten Menschen gäbe es diese Kultur, Forschung, Innovation und Wirtschaftskraft, die uns auszeichnet nicht.


Oder steckt hinter diesen Äußerungen die Vorbereitung auf eine Zusammenarbeit in einer künftigen Regierung mit der AFD? Die Brandmauer wurde von der CDU/CSU auf kommunaler Ebene bereits ungezählte Male abgerissen. Bekannte C Promis bereiten beharrlich das Abreißen der Brandmauer auf der Bundesebene vor. Jens Spahn empfahl schon im April einen "normalen" Umgang mit der AFD.


Politisch ist die aktuelle Regierung nicht in der Lage, die AFD inhaltlich zu stellen. Die offensichtliche Unfähigkeit, das gigantische Sondervermögen auch wirklich als solches in Zukunftsprojekte zu investieren zeigt u.a. das die Koalitionspartner nicht mehr als Klientel- und Lobbypolitik können. Die AFD stoppt man damit jedenfalls nicht.

Koalitionsstreit um Rente

Das junge Abgeordnete diese Rentenreform stoppen ist grundsätzlich gut. Leider haben auch sie keine Idee dazu geliefert, wie das Rentensystem endlich nachhaltig und deutlich gerechter reformiert werden kann. Statt dessen werden Milliarden in ein kaputtes System ohne den Hauch einer gerechten Rente gesteckt.
  
Wir brauchen aber ein einfacheres, digitales und zukunftssicheres Rentensystem. Es muss sich an den individuellen Bedürfnissen der Versicherten orientieren. Alle Bürger*innen müssen ohne Ausnahme in das System einzahlen. Entweder nach einem einheitlichen Satz ohne Beitragsgrenze oder mit Beitragsobergrenze und nach oben gekappter Rente. 
Wesentliche Elemente sind die Verbesserung des Zugangs zu Leistungen, die Vereinfachung von Antragsverfahren, die Stärkung von Prävention und Rehabilitation sowie eine bessere Integration von Arbeit und Rente, zum Beispiel durch flexible Hinzuverdienstmöglichkeiten. Kernbereiche eines neu aufgestellten Rentensystems sollten Digitalisierung und Serviceorientierung, Vereinfachung, Prävention und Rehabilitation, Flexibilität im Alter und finanzielle Stabilität sein. Bei einer neuen Rentenversicherung sollte der Fokus auf Gesundheit, Bildung und sinnstiftender Arbeit liegen. Die Rentenhöhe sollte staatliche Zusatzleistungen wie die Grundsicherung im Alter überflüssig machen. 

Bürgergeld abgeschaft?

Die Bundesregierung schafft das Bürgergeld ab. Eine echte Reform ist das aber keinesfalls, nicht mal ein Reförmchen.
Die Ankündigung, man wolle Arbeitsverweigerern die Unterstützung komplett streichen
ist nur ein angeln nach Wählern aus der rechten Szene. 
Das Grundgesetz garantiert das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum durch die Artikel 1 (Menschenwürde) und 20 (Sozialstaatsprinzip). 
Dieses grundgesetzlich garantierte Existenzminimum verbietet eine komlette Strechung von Sozialbezügen und auch Kürzungen, die unter das Existenzminimum gehen.
Grundsätzlich fehlt seit Jahrzehnten eine echte Eingliederungspolitik in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Ob es Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Hartz IV, Bürgergeld, oder demnächst wie auch immer heisst, spielt keine Rolle. 
Das System der Arbeitsverwaltung ist seit Bestehen vom Grund her unverändert. 80-90% der Beschäftigten in Arbeitsagenturen und Jobcentern sind in der Verwaltung tätig, der Rest ist in der Vermittlung. Arbeitslose Menschen werden zu wenig weitergebildet und vor allem zu niedrig oder zu wenig beruflich qualifiziert.
Die Quote von Verweigeren liegt seit ewigen Zeiten (und das ist weltweit in allen Arbeitsmartkhilfssystemen so) liegt relativ konstant unter 3%. Darunter sind viele Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen langfristig nicht arbeiten können. Dazu kommen in Deutschland an 2. Stelle konstant jedes Jahr ca. 60.000 Schulabgänger, die nicht mal den Hauptschulabschluss erreicht haben. Jetzt das Bürgergeld als "abgeschafft" zu bezeichnen, an der Grundsicherung festzuhalten und gleichzeitig den so genannten "Verweigeren" mit Entzug der finziellen Hilfen wird eine Ankündigung bleiben. Was weiter fehlt ist eine strukturelle und qulitativ hochwertige Reform. 

Donnerstag, 5. Juni 2025

Mitsommerabend-Picknick in der Waldschule

 


 

 Feste & Feiern am Samstag, 21.6.2025 von 18.00 bis 22.00 Uhr in der Nussallee

Der Zukunftsladen Re:Wir Wilhelmshöhe lädt ein zum Mitsommer-Picknick auf dem traditionsreichen Gelände der Waldschule - wunderschön am Rande des Habichtswaldes gelegen.

Bringt gerne eine Decke mit oder eine Sitzgelegenheit, etwas zum Trinken und zum Verzehren. Geschirr und Gläser haben wir vor Ort.

Musikalisch umrahmt wird unser Abend von Trommeln, Ukulele und Gesang, die Leitung hat die großartige Musikerin Antje Köhn.
https://www.antjekoehn.de

Unser Dank gilt dem Förderverein der Waldschule, der uns dies Angebot an alle ermöglicht.
Dieses Jahr feiert die Waldschule übrigens ihren 99. Geburtstag. Wir gratulieren!
https://www.waldschule-kassel.de


Unterstützt werden wir vom Nachhaltigkeitslabor der Universität Kassel.
Auch dafür besten Dank, ganz besonders an Dr. York Kautt.
https://sdgpluslab.de

P.S. Hunde dürfen leider nicht auf das Gelände.

Anmelden könnt Ihr euch hier 
https://nebenan.de/feed/41752767

mit einem Klick auf "Zusagen" 

 


Mittwoch, 19. Februar 2025

Die Energie der Zukunft

Rückkehr zur Kernkraft, Windräder abreißen, "Technologieoffenheit": Die Energiewende wird im Wahlkampf heiß diskutiert.
Die Regeln der Physik sind aber eindeutig.




Wir wollen Licht, wenn es dunkel ist, Raumwärme, wenn es kalt ist. Wir brauchen Energie für die Industrie und sogar um Videos zu sehen, Energie bewegt uns, sie ist sehr eng mit unserem täglichen Leben verbunden.
Was auch immer mit Energie gemacht wird oder in welcher Form wir sie nutzen - dabei gelten immer genau zwei Gesetze der Physik. Je häufiger Energie umgewandelt wird, desto weniger wird sie nurtzbar. Je weniger sie genutzt wird, desto mehr wird erhalten. Der Trend der Technologie geht schon immer dahin, möglichst Umwamdlungen anzuwenden. Die Energienutzung wird also immer effizienter.
Dabei bauen wir die Stromnetze immer weiter, teilweise bereits überdimensioniert, aus. Doch das ist zeitaufwändig, teuer, ineffizient und nicht zeitgemäß.

Immer noch treibt die Verbrennung unsere Gesellschaft an. Wir verbrennen seit der industriellen Revolution fossile Energieformen wie Kohle, Öl und Gas. Gaslaternen erzeugten Licht, Dampfloks erzeugen Bewegung, aus Eisenerz wird Stahl. Immer entsteht dabei sehr viel Wärme.
Alle diese Technolgien sind auf dem Abstellgleis, wurden z.B. durch LEDs oder ICEs erzetzt. Dabei wird der Zwischenschritt "Wärme" vermieden und der Strom direkt genutzt. Die Elektromotoren der ICEs wandeln Strom nahezu verlustfrei in Bewegung um und beim Bremsen wieder zurück in Strom. LEDs emittieren nur noch die Wellenlängen, die wir brauchen. Wir erreichen also das gleiche Ziel mit weniger Einsatz von Primärnergie, werden efffizienter.

Die Menschen brauchen weltweit immer mehr Energie, zur Produktion von Nahrung, als Licht- und Wärmequelle. Zu einem erheblichem Teil wird Strom immer noch über die Verbrennung erzeugt. Es sind immer noch fossile Energien. Unsere Kraftwerke wandeln bei der Energieerzeugung jedoch weniger als 50% in elektrische Energie um. Es ist dabei egal, ob es sich um Kohle, Gas oder Kernkraft handelt. Was nicht zu Strom wird landet als Abwäre in der Atmosphäre, über den Umweg gigantischer Kühltürme oder Autokühler. Geht auch nicht anders, da sind die Gesetze der Thermodynamik unerbittlich.


Kommen wir mit dem Ausbau vom Stromnetz hinterher? Wird Strom damit billiger? Ist die Energiekrise damit überwunden?
Der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie in den letzten Jahren hat die Enegieerzeugung deutlich verändert. Photovoltaik und Windturbinen sind deutlich effizienter denn sie nutzen keine Wärme als Zwischenschritt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde Strom fast vollständig über Wärmekraftwerke erzeugt. Seit Ende 2024 ist es nur noch knapp die Hälfte. Den Rest bringen uns Sonne- und Windenergie. Damit hat sich unser Primärverbrauch seit Beginn der 1990er Jahre bei gleich hohem Stromverbrauch um mehr als 20% reduziert. Wie bei der Erzeugung von Licht passiert also genau das Gleiche: Verbrennung und Wärme wird ersetzt, die Stromerzeugung wird deutlich effiziemter und preiswerter.

Elektrizität erleben wir in immer mehr Bereichen, aktuell bei Elektromobilität und Wärmepumpen. Die Technologien dafür gibt es schon längst, das E-Auto für Mobilität und Wärmepumpen zum Heizen. Trotzdem wird in beiden Bereichen immer noch zu viel verbrannt. Immer noch werden erneuerbare Energien durch das "Aufwärmen" von Begriffen wie "Technologieoffenheit" oder Kernenergie in der Politik wieder aufgewärmt. Es ist wohl vor allem die Ideologie und Lobbyarbeit jener, deren Geschäftsmodell und Gewinn auf fossilen Energien basiert. Dadurch wird echter Fortschritt aktiv verhindert.
Die Energiewende ist jedoch das Gegenteil von Ideologie: Sie basiert auf Rationalität und der Physik.

Dienstag, 18. April 2023

Benachteiligung ambulanter Pflegealternativen

 Im Rahmen der kürzlich vorgelegten Pläne für ein Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) werden ambulante und alternative Formen der Pflege benachteiligt.
Zu begrüßen ist die Entlastung bei den Eigenanteilen in der stationären Pflege. Falsch ist aber, dass diese Entlastung nicht für den ambulanten Bereich gilt. Aktuell berichten die ersten ambulant betreuten Pflegewohngemeinschaften von Angehörigen, die sich jetzt lieber für das stationäre Angebot entscheiden. Außerdem sind erste Fälle aufgetreten, bei denen Sozialhilfeträger im Bedarfsfall die Kosten für ambulante Pflegewohngemeinschaften im Vergleich zu stationären Einrichtungen als unverhältnismäßig einstufen und eine Finanzierung infrage stellen. In der Folge werden sich lokale Initiativen, Dienstleistende und Kommunen aus geplanten WG-Projekten zurückziehen, weil sie das finanzielle Risiko nicht tragen können. Dann wird sich ein Wohnangebot entwickelt, das in Zukunft primär Menschen mit höherem Einkommen vorbehalten bleibt.
Ich halte eine solche Entwicklung angesichts der enorm gewachsenen Pflegeaufgaben nicht für zielführend. Wir brauchen statt dessen eine Vereinfachung und Flexibilisierung des Leistungsrechts. Eine sektorenübergreifende Versorgung in Kombination mit einer auf den pflegebürftigen Menschen konzentrierten Qualitätssicherung wird einer am individuellen Bedarf orientierten Versorgung am nächsten kommen. Damit können auch langwierige Diskussions- und Anpassungsprozesse zur Einordnung, Abgrenzung und Gleichberechtigung der Leistungsansprüche in unterschiedlichen Wohnformen vermieden werden. Denn das erschwert bislang in der Regel die Entwicklung und Verbreitung neuer Wohn- und Versorgungsformen.
Mit dem vorliegenden Entwurf wird die schon bestehende bevorzugte Behandlung stationärer Pflegeformen weiter gestärkt. Ein selbstbestimmtes Leben im Pflegefall wird damit immer stärker behindert. Für die ambulante Pflege sollte ebenfalls der Grundsatz "Ambulant vor Stationär" gelten.

Montag, 17. April 2023

Mali-Einsatz der Bundeswehr

 Es sind drei Kernpunkte, die die einen Bundeswehreinsatz in ärmeren Staaten in der Welt begründen. Das eigene Interesse an Sicherheit vor islamistischem Terrorismus, der Wunsch nach geordneter Migration und kleiner werdenden Mittel im Zuge von Ukraine-Krieg, Coronavirus-Pandemie und Inflation. Sie bestimmen aktuell das deutsche Engagement im Ausland. Deutschland setzt derzeit auf diese Prioritäten - was der dreitägige Besuch von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Entwicklungsministerin Svenja Schulze in der Sahel-Zone gezeigt hat. Korrekt ist dabei, auch zu anzuerkennen, wenn millionenschwere Hilfen über Jahrzehnte einfach keinen nennenswerten Effekt bringen.

Für die Bundeswehrmission im Norden Malis gilt in vielen Punkten das gleiche Fazit wie für Afghanistan: ein teurer, ineffektiver Einsatz, ausgelöst durch den Unwillen der Regierung in Mali, mit den UN-Truppen zusammenzuarbeiten und dem fehlenden Rückhalt in bestimmten Teilen der Bevölkerung, die Hilfe aus dem Westen ablehnen.

Nach dem viel zu späten Truppenabzug die Entwicklungshilfe in diesen Ländern aufzustocken, wie Schulze es plant, klingt wie ein Hohn. Eine effektive, gut und langfrsitig finanzierte Entwicklungshilfe wäre wohl von Beginn an die bessere Wahl gewesen. Das nun gleichzeitig Mittel in Staaten wie dem Niger gekürzt werden sollen, die dem deutschen Engagement deutlich wohlgesonnener gegenüberstehen und wo zudem deutlich größere Erfolge sichtbar sind macht alles nur schlimmer.

Leider gehört zu einer realistischen Auslandspolitik die Einsicht, dass es Staaten gibt, mit denen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich ist - auch wenn dies oft tragische Folgen für die Bevölkerung vor Ort hat. In allen anderen Fällen sollte aber Entwicklungshilfe als Hilfe zur Selbsthilfe Vorang haben. Engagement im Ausland ist richtig und wichtig, dann aber bitte richtig.

Chance für erneuerbare Energien

 Am 15 April 2023 wurden die letzten Atommeiler in Deutschland abgeschaltet, viele ewig Gestrige schauen jetzt nur zurück und fürchten Strommangel und wirtschaftliche Risiken.

Besser wäre es, den Ausstieg aus der Atomkraft endlich als Chance für das gesamte Land zu begreifen. Die Bundesrepublik macht sich frei von einer gefährlichen Technik und wird mit dem Fokus auf umweltfreundliche Energieerzeugung zu einem Vorreiter des nachhaltigen Wirtschaftens in Europa. Es ist, ausnahmsweise, richtig, als Vorreiter für die gesamte EU diesen Schritt zunächst allein zu gehen. Wir verfügen über alle notwendigen technischen Voraussetzungen und können den neuen, fossilfreien Energien den Weg ebnen. Es gibt dabei kein Risiko, die Techniken sind lange erprobt und zuverlässig.
Die alten Meiler weiter zu betreiben ist keine Option mehr. Der Beschluss zum Ausstieg ist in mehr als 20 Jahren politischer Diskussion gefallen. Schon 2002 wurde das Atomgesetz mit dem Ziel des geordneten Endes der Atomenergie beschlossen. Ohne den Ukraine Krieg wären längst kein Meiler mehr am Netz.
Die amtierende Ampel sollte endlich ihre Hausaufgaben machen. Für die stillgelegten Kraftwerke muss schnell ein ewig lang sicheres Endlager für den jahrtausendelang strahlenden Atommüll gefunden werden.


Richten wir den Blick auf die Zukunft, vorneweg die Politik: Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen müssen massiv beschleunigt, die Abhängigkeit von China bei Solar- und Windkraft verringert und neue Technologien wie grüner Wasserstoff gefördert werden. Auch müssen Alternativen zu den Kohlemeilern her, mit denen keine nachhaltige Energiepolitik gelingen kann.


Nur mit einem Bündel an Maßnahmen kann die sichere Energieversorgung und damit auch die Akzeptanz einer Politik, die auf Atomkraft verzichtet, gewährleistet werden.

Samstag, 15. April 2023

Klimaschutz stärkt Demokratie

 Erhitzt sich die Erde weiter, geraten die liberalen Gesellschaften in Gefahr. Um sie zu retten, muss sich das Verständnis von Demokratie ändern.
Die erstaunliche Karriere des Begriffs "Ökodiktatur" ist völlig unangebracht. Ein solches System hat nie existiert, es ist noch nicht einmal theoretisch entworfen worden, keine politische Gruppe bezieht sich darauf. Trotzdem ist der Begriff in die Gedanken vieler Menschen eingesickert und trägt dazu bei, dass auch demokratische Ideen wie Verfassungsänderungen, neue Rechtsprinzipien, auch Verbote, Kontingente, Steuerreformen unter Diktaturverdacht geraten.
Wer die Langsamkeit der Klimapolitik nicht hinnimmt, wird einfach als autoritär denunziert. Dabei gibt es zwischen Klimaschutz und Demokratie keinen Widerspruch, beides geht nur zusammen.
Eine Ökodiktatur ist keine Lösung. Es ist die Freiheit, die in der Klimakrise gefährdet ist, und eine Diktatur würde unsere schützenswerte Freiheit zerstören. Wir haben nicht die Wahl, das Klima langsam in einer Demokratie zu schützen oder schnell in einer Diktatur. Wir stehen vor der Wahl, entweder weiter wie bisher in die Katastrophe laufen – oder unsere Demokratien so zu entwickeln, dass sie das Klima schützen. Bislang gelingt uns das nur unzureichend.
Weil man Demokratien im Streben nach ihrer Rettung auch zerstören kann, schlägt DiB vor, mit Hilfe grundlegender Regeln für Klimaschutzmassnahmen die Gefahr extrem zu minimieren:
1. Sie müssen geeignet sein, die Klimakrise zu bremsen. Sie dürfen nicht nur einer bestimmten Gruppe helfen, einer einzigen Partei, der amtierenden Regierung. Sie dürfen nicht systematisch bestimmte Gruppen von der Einflussnahme ausschließen. Sie dürfen nicht die freie, geheime Wahl mit Möglichkeit zum Machtwechsel berühren. Sie müssen im Kern revidierbar sein.
2. Die zentrale demokratische Freiheit liegt im Auswechseln der Mächtigen. Sie liegt auch in der Möglichkeit, die Meta-Regeln politischen Zusammenlebens zu gestalten: das Wahlrecht; das Zusammenspiel der Institutionen, der politischen Gewalten; die Kompetenzen, die sie haben. Sie dürfen verändert, nicht aber gegen erneute Änderungen immunisiert werden.

Halten wir uns daran, ist ein demokratisches System, das Klimaschutz unausweichlich wird, keine Diktatur. Die ungebremste Erderwärmung als Alternative wäre dagegen eine nicht zu beherrschende Gefahr.

Chance neue Energien

 Heute werden die letzten Atommeiler in Deutschland abgeschaltet, viele ewig Gestrige schauen nur zurück und fürchten Strommangel und wirtschaftliche Risiken.
Wir solltern aber den Ausstieg aus der Atomkraft endlich als Chance für das gesamte Land begreifen. Die Bundesrepublik macht sich frei von einer gefährlichen Technik und wird mit dem Fokus auf umweltfreundliche Energieerzeugung zu einem Vorreiter des nachhaltigen Wirtschaftens in Europa. Es ist, ausnahmsweise, richtig, als Vorreiter für die gesamte EU diesen Schritt zunächst allein zu gehen. Wir verfügen über alle notwendigen technischen Voraussetzungen und können den neuen, fossilfreien Energien den Weg ebnen.

Es gibt dabei kein Risiko, die Techniken sind lange erprobt und zuverlässig.
Die alten Meiler weiter zu betreiben ist keine Option mehr. Der Beschluss zum Ausstieg ist in mehr als 20 Jahren politischer Diskussion gefallen. Schon 2002 wurde das Atomgesetz mit dem Ziel des geordneten Endes der Atomenergie beschlossen. Ohne den Ukraine Krieg wären längst kein Meiler mehr am Netz.
Die amtierende Ampel sollte endlich ihre Hausaufgaben machen. Für die stillgelegten Kraftwerke muss schnell ein ewig lang sicheres Endlager für den jahrtausendelang strahlenden Atommüll gefunden werden.
Richten wir den Blick auf die Zukunft, vorneweg die Politik: Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen müssen massiv beschleunigt, die Abhängigkeit von China bei Solar- und Windkraft verringert und neue Technologien wie grüner Wasserstoff gefördert werden. Auch müssen Alternativen zu den Kohlemeilern her, mit denen keine nachhaltige Energiepolitik gelingen kann.


Nur mit einem Bündel an Maßnahmen kann die sichere Energieversorgung und damit auch die Akzeptanz einer Politik, die auf Atomkraft verzichtet, gewährleistet werden.

Sonntag, 7. August 2022

Neubau Taptenmuseum Kassel

Die präsentierte Planung des Neubaus für das Tapentenmuseum in Kassel dokumentiert erneut die Fehlplanung für den Brüder-Grimm-Platz.
Auch der Museumsbau selbst weist deutliche Planungsfehler auf. Es fehlt eine Solar- und Photovoltaik Anlage auf dem Dach. Der Vorplatz ist praktisch eine Betonwüste, angesichts stetig steigender Temperaturen und immer häufigeren Hitzewellen unbegreiflich.
Gleichzeitig zeigt der Entwurf, dass es keinerlei Abstimmung zwischen den Museumsplaner*innen und denen des Grimm-Platzes gibt. Denn sonst müsste ja die geplante runde Platzgestaltung mit dem Kiefernwald mit der Gestaltung des Museumsvorplatz zusammenspielen.
Beide Planungen sind abgeschlossen, mit dem Museumsbau werden Fakten geschaffen, auch die Planung für den Grimm Platz soll offensichtlich rücksichtslos umgesetzt werden.
Die Kiefern werden es nicht überleben, von Frühjahr bis Herbst wird ein Aufenthalt auf dem Platz wegen Hitze meist nicht möglich sein und das Museum wird sehr viel teure Energie verschlingen, obwohl es die per Solartechnologie selbst produzieren könnte.

Kasseler Brüder-Grimm-Platz auf Roter Liste

Der Neugestaltung des Grimm Platzes fehlt die Anbindung zur ideelen Wirkung der Brüder Grimm.
Die Märchen spielen oft im (Laub-)Wald, weil dies eine Gegend ist, in der es überwiegend Laubwälder gibt. In diesem Zusammenhang dann eine Platzneugestaltung vorzunehmen, bei dem Kiefern dominieren kann nicht zur Akzeptanz führen.
Aus Klimagründen sind Kiefern eine Fehlplanung. Die brauchen einen sonnigen, feuchten, tiefgründigen und nährstoffreichen Standort. Der Grimmplatz ist Sonne pur, aber sehr trocken. Tiefgründig dürfte der Boden kaum sein. Kiefern sind Pfahlwurzler, deren Wurzeln mehrere Meter in die Tiefe reichen. Das macht sie angesichts dieses Standorts ungeeignet. Will man sie trotzdem dort pflanzen, muss berücksichtig werden, das Kiefern sehr viel Pflege (u.a. regelmäßiges mulchen) und Wasser brauchen.
Bei der Neugestaltung fehlt auch die Anbindung an Umgebungsbauten wie Landesmuseum oder Torwache. Die nötige Verkehrswende wurde nicht berücksichtigt. Der Fokus muss auf Tram und Fahrrad liegen, während der Kfz-Verkehr schon weit vor dem Tor zur Innenstadt abgeleitet werden muss.
Auf Grund des fehlenden historischen Bezugs, botanisch, klimatechnisch und von der Verkehrführung her schlicht eine Fehlplanung.

Sonntag, 25. Juli 2021

Frontex im rechtsfreien Raum?

Der aktuelle Bericht des EU-Parlaments über Europas Grenzschutzagentur Frontex zeigt erneut skandalöse Zustände auf. Er offenbart, dass Frontex-Chef Fabrice Leggeri seine Amtspflichten grob vernachlässigt hat. Die Europaparlamentarierinnen und -Parlamentarier halten fest, dass Frontex-Beamte von illegalen Rückführungen von Schutzsuchenden aus Griechenland in die Türkei, sogenannte Pushbacks, wussten, aber nichts dagegen unternahmen und - schlimmer noch - dass Leggeri belastendes Material vernichtete.
 
Frontex hat sich zur Komplizin bei Menschenrechtsverstößen entwickelt. Pushback ist ein Vorgang, der nach europäischem Recht eindeutig illegal und fast immer gewaltsam ist. Der Bericht des EU-Parlaments hält von amtlicher Stelle fest, dass Frontex Menschenrechtsverstöße an Europas Grenzen vertuscht, dass sie Vergehen durch nationale Sicherheitskräfte deckt.
 
Doch der eigentliche Skandal ist wie immer ganz oben angesiedelt. Die politisch Verantwortlichen sind offenbar nicht bereit, Konsequenzen aus dem Frontex-Skandal zu ziehen. Für die Ein- oder Abberufung des Behördenchefs ist der Frontex-Verwaltungsrat zuständig. Der setzt sich überwiegend aus Vertreterinnen und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten zusammen, auch Innenminister Horst Seehofer gehört dazu. Dieser ministerielle Kreis ist offensichtlich ganz froh über das Wirken von Frontex Chef Leggeri, der es bei der Behandlung von Flüchtlingen an Europas Grenzen nicht so genau nimmt.
 
Ich stelle fest, das sich in Europa ein politischer Konsens durchgesetzt hat, nach dem Flüchtlinge auch mit unerlaubten Mitteln von der EU fernzuhalten sind. Die Reaktion der Verantwortlichen auf die Frontex-Skandale zeigt, dass sie bereit sind, die eigenen Normen und Werte außer Kraft zu setzen.
Als überzeugter Europäer fordere ich, diese Menschenrechtsverstöße sofort zu beenden und die dafür Verantwortlichen zu entlassen.

 

Freitag, 23. Juli 2021

Industrie gegen Hochwasserschutz

 Der bundesweite Raumordnungsplan für den Hochwasserschutz wurde vergangene Woche  beschlossen. Das klingt zäh, nach den katastrophalen Geschehnissen in Rheinland-Pfalz und NRW hat er aber eine große Bedeutung: der neue Plan soll „zum Schutz der Menschen und Umwelt entlang unserer Gewässer“ dienen, wie es darin heisst.
„Anlagen von nationaler und europäischer Bedeutung“ sollen so besser geschützt werden, wenn es wieder zu extremen Hochwasser kommt. Auch Strom, Mobilfunk, Straßen- und Bahnnetze sollen so eine Naturkatastrophe durchhalten können.

Klingt gut, ist aber ein zahnloser Tiger geworden. Das Vorhaben wurde schon in der Entstehung vom Bundesland NRW, vor allem aber von der Industrie, massiv bekämpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie befürchtete "massive negative Auswirkungen auf die Entwicklung und das Fortbestehen des Wirtschaftsstandorts Deutschland",  der Verband der chemischen Industrie bezeichnete den Entwurf im Mai als "nicht erforderlich und zielführend", beide lehnten ihn ab.
Die Verbände waren damit erfolgreich: so werden Betriebe im Plan nicht mehr genannt, die unter die Industrieemissions- sowie die sogenannte Seveso-III-Richtlinie fallen. Ausgerechnet die Firmen, die hoch-gefährliche Stoffe einsetzen, die, wie gerade erlebt, bei Unwetterkatastrophen schwerste Schäden für Mensch und Umwelt verursachen. Zusätzlich gibt es erhebliche Ausnahmen in Risikogebieten außerhalb von Überschwemmungsgebieten, die für Übertragungsstromnetze gelten, obwohl die zur kritischen Infrastruktur gehören. Das zuständige NRW-Ministerium sah für den Plan „keine ausreichende Veranlassung“ und konnte „keinen Mehrwert“ erkennen.

Ich meine: deutlicher und perfider kann Lobbyismus nicht sein. Hier wird der Schutz von Menschen und deren Hab und Gut auf dem Altar der Industrieinteressen geopfert. Wir brauchen dringend ein wirksames Transparenzgesetz.

Skandale ohne Ende

Der aktuelle Bericht des EU-Parlaments über Europas Grenzschutzagentur Frontex zeigt erneut skandalöse Zustände auf. Der Bericht zeigt, dass Frontex-Chef Fabrice Leggeri seine Amtspflichten grob vernachlässigt hat. Die Europaparlamentarierinnen und -Parlamentarier halten fest, dass Frontex-Beamte von illegalen Rückführungen von Schutzsuchenden aus Griechenland in die Türkei, sogenannte Pushbacks, wussten, aber nichts dagegen unternahmen und, schlimmer noch, dass Leggeri belastendes Material vernichtete.
Frontex hat sich zur Komplizin bei Menschenrechtsverstößen entwickelt. Pushback ist ein Vorgang, der nach europäischem Recht eindeutig illegal und fast immer gewaltsam ist. Der Bericht des EU-Parlaments hält von amtlicher Stelle fest, dass Frontex Menschenrechtsverstöße an Europas Grenzen vertuscht, dass sie Vergehen durch nationale Sicherheitskräfte deckt.
Doch der eigentliche Skandal ist wie immer ganz oben angesiedelt. Die politisch Verantwortlichen sind offenbar nicht bereit, Konsequenzen aus dem Frontex-Skandal zu ziehen. Für die Ein- oder Abberufung des Behördenchefs ist der Frontex-Verwaltungsrat zuständig. Der setzt sich überwiegend aus Vertreterinnen und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten zusammen, auch Innenminister Horst Seehofer gehört dazu. Dieser ministerielle Kreis ist offensichtlich ganz froh über das Wirken von Frontex Chef Leggeri, der es bei der Behandlung von Flüchtlingen an Europas Grenzen nicht so genau nimmt.

Ich stelle fest, das sich in Europa ein politischer Konsenz durchgesetzt hat, nachdem Flüchtlinge auch mit unerlaubten Mitteln von der EU fernzuhalten sind. Die Reaktion der Verantwortlichen auf die Frontex Skandale zeigt, dass sie bereit sind, die eigenen Normen und Werte ausser Kraft zu setzen.
Als überzeugter Europäer fordere ich dazu auf diese Menschenrechtsverstösse sofort zu beenden und die dafür Verantwortlichen zu entlassen.

Nur privater Solarstrom?

Baden-Württenberg, das Technologie- und Industrieland,will bis 2040, also fünf Jahre vor dem Bund, klimaneutral sein. Die dortige Grün-Schwarze Landesregierung strebt damit national und international eine Vorbildrolle bei der Klimapolitik an.
Ab 1. Januar 2023 müssen Hausbesitzer eine Photovoltaikanlage aufs Dach bauen lassen, wenn sie den Dachstuhl sanieren. Für den Ausbau der Windkraft sollen 2% der Landesfläche reserviert werden. Dafür sollen Wissenschaft und Unternehmen technische Lösungen entwickeln die die Klimaschutzbemühungen auf nationaler Ebene voranbringen und exportierbar sind.
Wir finden das grundsätzlich gut. Gleichzeitig malt uns dieses Vorhaben eine Menge Fragezeichen auf die Stirn. Warum müssen eigentlich nur private Hausbesitzer ihre Dächer mit Photovoltaik ausrüsten? Gerade im Hochtechnologieland BW gibt es riesige Produktionshallen auf denen man problemlos entsprechend riesige Solarstromanlagen installieren könnte. Warum müssen Unternehmen und Wissenschaft im Ländle dafür erst mal technologische Lösungen entwickeln? Hat die Landesregierung die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien verschlafen?
Noch verräterischer ist aber der Abschnitt des Gesetzes, der festlegt, dass das Bundesland bis zum Jahr 2040 „in der Bilanz treibhausneutral zu sein habe“. Das ist eine Mogelpackung, denn die Senkung der CO2-Emissionen kann mit Ausgleichsmaßnahmen verrechnet werden.
DEMOKRATIE IN BEWEGUNG findet: es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Leider werden dabei die Unternehmen ausgespart und das hohe Ziel der CO2 Reduzierung bis 2040 nur mit Hilfe von gekauften Zertifikaten erreicht. 

Gummistiefelpeinlichkeiten

 Die Unwetterkatastrophe mit Überflutungen, zerstörten Häusern und Toten hat ein unglaubliches Ausmaß angenommen.
Doch da kommt zu allem Überfluss auch noch der ewige "Gummistiefel mit Anzug" Auftritt einiger Wahlkämpfer dazu. Und ja, nicht gendern ist hier Absicht, denn es sind die Herren. Es ist ok sich vor Ort ein Bild zu machen, es ist auch ein feiner Zug, wenn Politiker*innen den betroffenen Menschen echte Anteilnahme aussprechen und dafür sorgen, das schnell und unbürokratisch geholfen wird.
Aber solche Katastrophen für den Wahlkampf auszuschlachten geht einfach gar nicht. Am Freitag Abend machte Olaf Scholz den Anfang. Nach seinem Besuch in Rheinland-Pfalz zurück in seinem Urlaubsort beantwortete er zunächst sichtlich um Anteilnahme bemüht die Fragen des Reporters. Doch bei der Frage nach der eigenen bzw. der SPD Verantwortung ging es dann schief. 2 Minuten lang plapperte er Platitüden aus dem Wahlprogramm herunter statt die Frage nach der politischen Verantwortung für die Versäumnisse beim Klimaschutz der letzten Jahre zu beantworten.
Bis dahin blieb die Hoffnung, das es wenigstens beim üblichen Gummistiefel-Anzugstourismus bleiben würde. Aber dann kam Armin Laschet. Dem war wohl die Rede von Bundespräsident Steinmeier zu langweilig, die laufenden Kameras ignorierte die rheinische Frohnatur dann auch. Das beinahe schenkelklopfende eher dem Karneval angemessene Gelächter war eines Kanzelkandidaten schlicht unwürdig und verhöhnte die Opfer der Unwetterkatastrophe. Die folgende dürre Entschuldigung machte diesen peinlichen Auftritt nur noch schlimmer.
DEMORATIE IN BEWEGUNG empfiehlt: bleibt doch lieber mit eurem Tross aus Referent*innen und Sicherheitskräften daheim im Ministerium und bereitet echt schnelle und unbürokratische Hilfe vor. Das brauchen die Menschen vor Ort. Alternativ würden Gummistiefel in Kombination mit Schaufel und harter Arbeit auch helfen.

Sonntag, 10. Mai 2020

R U F M I C H A N !!! – Schule und Corona Teil 2

Pro Woche eine Mail mit Aufgaben an die Schüler*innen schicken. Danach abtauchen und warten bis „die da oben“ neue Signale senden. Ganz ehrlich, liebe Lehrer*innen, nach sechs Wochen geschlossener Schulen darf’s gerne deutlich mehr sein.
„Schön, dass du deine Aufgaben geschickt hast“, schreibt der Englisch-Lehrer per Mail. „Dafür bekommst du von mir die Lösungen. Vergleiche die bitte selbst.“
„Ein erstaunlich hohes Niveau“, schreibt die Mathe-Lehrerin, „es bringt aber nichts voneinander abzuschreiben. Die Lösungen findet ihr im Anhang.“ Dass sie selbst korrigieren sollte, kein Gedanke dran.
Das Chemie Projekt, an dem die Schülerin zwei Wochen hart gearbeitet hat, wird so entgegen genommen: „Das könntest du besser machen. Mit umweltfreundlichen Grüßen, Herr Z.“
Immerhin, die Deutschlehrerin meldet sich per Telefon: “ Bis zum 4. Mai wird es wohl keinen Unterricht in der Schule geben. Ich mach dann mal so weiter…“
So weiter machen? NEIN, bitte nicht!
Für die große Mehrheit der Schüler+innen gibt es keinen Schulunterricht. Der Start ins „Homeschooling“ war holprig, aber das ist noch ok. Ich stelle mir jetzt die Frage, wo wohl die Konzepte für die nächste Folge Homeschooling bleiben, damit die Kinder und Jugendlichen nicht mehr über fünf oder sechs unterschiedliche Kanäle daheim unterrichtet werden müssen. Gibt es Pläne, mit denen nach Wochen des „Dahin-Wurstelns“ die Schüler*innen wieder eine Struktur bekommen, die ihnen neue Motivation gibt, sie raus holt aus der aufkommenden Langeweile?
Sieht in zu vielen Fällen nicht danach aus.
Schulen brauchen eine Strategie
Viele „Homeschool-Lehrer+innen bleiben deutlich hinter den schon niedrigen Erwartungen der Eltern zurück. Klar gibt es Lehrer*innen, die ihre Schüler*innen jeden Morgen über Zoom auf den neuen Tag einstimmen. Blöd ist, dass zu viele sich schon seit Wochen tot stellen, mal ganz kurz auftauchen, Aufgaben verteilen und anschließend wieder tagelang unerreichbar sind. Ich erlebe Schüler*innen, die jeden Tag bei der Lehrkraft nach den neuen Aufgaben fragen. Aber Lehrer*innen die nicht mal einen funktionierenden E-Mail-Verteiler besitzen. Viele Lehrer*innen verstehen auch nicht, dass es in sehr vielen Familien gar keinen Drucker gibt.
Kurz und knapp: wenn es so weiter läuft, steuern wir auf eine pädagogische und bildungspolitische Katastrophe zu.
Das Thema „Lernen mit Corona“ wird mich weiter beschäftigen. In den letzten paar Tagen erklärten die Nachbarskinder, dass es doch schön wäre, wieder mehr zusammen mit den Schulfreund*innen zu lernen. Wir überlegen, ob man das nicht mit zwei Meter Abstand im Garten organisieren kann.
Darauf freut Ihr Euch hoffentlich genauso wie ich.
Bleibt gesund und schaut nach vorne!

Schule und Corona

Die Reise nach Berlin zu Sohn und Enkelin war lange geplant. Dann der erste überraschende Anruf. „Du darfst nicht kommen“. Drei Fragezeichen auf der Stirn, zumindest gefühlt. „Ich bin positiv getestet und hab Corona“. Also 14 Tage Quarantäne. Das Kind? Nix, keine Quarantäne. Nun ja, sie ist 14 und kann sehr erwachsen sein.

Zwei Tage später der nächste Anruf, diesmal die Enkelin. Ab Montag ist keine Schule mehr. Wir müssen noch mal kurz hin, bekommen für zwei Wochen Aufgaben. Sie nennen das „Homeschooling“, sagt sie.
So blieb plötzlich der wöchentliche Anruf aus, in dem sich die Enkeltochter über die Besonderheiten im Allgemeinen und die Merkwürdigkeiten im Besonderen in der Schule, bei Lehrer*innen und Mitschüler*innen gerne mal ausgetauscht hat.

„Corona hat der Schule den Garaus gemacht“, war ihr knapper Kommentar. Montags kam sie mit Bergen von Kopien nach Hause. Alles Aufgaben, die bis zu den Osterferien gelernt und gelöst sein wollen. Für die meisten Fächer alles in Papier. Nachfragen bei den Lehrer*innen? Pustekuchen, die mit den Kopien tauchten erst mal ab. Immerhin, die Matheaufgaben und der zugehörige Lernstoff, das gab es alles online. Ausgerechnet die Lehrerin, die alle nicht besonders mögen, macht einen beinahe coolen digitalen Unterricht. Das war natürlich nicht nur in Berlin so. Bei den Kindern meiner Nachbarin sah das ähnlich aus. Die Unterschiede der Schulsysteme und -ausstattungen taten sich auf wie schwarze Löcher. Von abgetauchten Pädagog*innen bis zu denen, die sich als digitale Superlehrer*innen outeten war alles dabei. Mir gefielen die morgendlichen Unterrichtsstunden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Fragt sich nur, warum es die nicht schon immer gab. Irgendjemand war immerhin so schlau und hatte jede Menge Stoff auf Halde produziert.
Ich schaute herum, beobachtete, wie die ersten 2-3 Wochen so liefen. Nebenan, bei Freund*innen in anderen Bundesländern, beim Enkelkind in Berlin.
Eltern, Großeltern (per Telefon) und Patentanten, eigentlich ein ganzes Volk, mutierte zu Hauslehrer*innen. Mindestens im Zweit- oder Drittberuf. Der (angeblich) zivilisatorische Fortschritt der Arbeitsteilung als Motor der Effizienz wurde mal eben von der Corona-Arbeitskleingruppe in heimischen Gefilden zurückgedreht. Es ist nur zwei Monate her, da wäre das heimische Beschulen durch die Familie juristisch als krimineller Akt verfolgt worden. Nun ist es Solidarität im Rahmen einer neuen „Wir bleiben zu Hause“ Kultur. „Wir schaffen den vom Lehrer vorgegebenen Stoff für einen Vormittag jetzt in einer Stunde“, berichtet ein Freund euphorisch am Telefon. Er wechselt sich mit seiner Frau ab, um die beiden Grundschulkinder zu unterrichten. Zu Hause muss man nicht warten, bis alle Schüler*innen aufnahmebereit sind, erklärt er noch.

Wir sind also in einem Großversuch angekommen. Bundesweit einheitlich, das allein ist schon ein absolutes Novum für das deutsche Schulsystem. Das gab es noch nie und das wird es wahrscheinlich nach Corona auch nie wieder geben.
Überraschend für alle ist, dass mit digitaler Unterstützung durch Nachhilfeplattformen, Lehrmaterialien und Tutorials das lernen zu Hause viel besser funktioniert als vorher in der analogen Welt. Zwei wichtige Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten. Es ist sehr wichtig, alle Schulen komplett zu digitalisieren und dabei auch allen Schüler*innen die Teilhabe zu ermöglichen. Und es wäre an der Zeit, mal gründlich über den deutschen Schulzwang nachzudenken.

Einer von mehreren deutschen Bildungssonderwegen ist das staatliche Bildungsmonopol. Nur vom Staat ausgebildete Lehrer*innen dürfen an staatlichen (oder vom Staat genehmigten) Schulen den Kindern Mathematik & Co. beibringen. In den meisten anderen Staaten der Welt ist das nicht so rigoros geregelt. In einigen Ländern ist es sogar Verfassungsrecht, die eigenen Kinder selbst zu unterrichten. Kanada zahlt Eltern 1.000 Dollar dafür, um Chancengleichheit mit den staatlichen Schulen herzustellen.
Kleiner Ausflug in Sonderwege bei der Bildung. Homeoffice und Schule daheim sorgen auch für andere Ideen bei den Erwachsenen, merke ich gerade.

Staatlich verordnete Schulpflicht hat auch gute Gründe, theoretisch jedenfalls. Es geht um Chancengleichheit und Gerechtigkeit in der Bildung. Auch in der Corona Krise müssen wir uns Sorgen darum machen, dass die Schere zwischen Bildungsbürgerkindern und Kindern aus bildungsfernen Schichten nicht noch weiter auseindergeht.
Die Kinder aus der Nachbarschaft erzählten, dass eine Lehrerin ihnen geraten hat, dass „die Mama nicht zu viel helfen soll“. Auf die Frage, warum sie das nicht solle, hieß es, „sie habe halt studiert und wisse viel mehr als Eltern, die nicht studiert haben“. Die Lehrerin müsste sonst die anderen Kinder zu viel „nachschulen“.

Dahinter stehen einige im Kern positiv gedachte Grundsätze. Alle Schüler*innen sollen gleich behandelt werden, gleiche Chancen haben. In der Klasse, abseits der Familie, sollen Kinder soziales Lernen üben.
Dabei fällt mir auf, dass die Qualtität der schulischen Bildung kein Argument für das staatliche Bildungsmonopol ist. Wenn die Schulpflicht wirklich positive Auswirkungen auf den Lernerfolg hätte, müsste Deutschland bei den Pisa-Tests immer ganz weit vorne sein. Sind wir aber nicht. Stattdessen finden wir da Finnland und dort ist Homeschooling legal. Dort ist die Pflicht zur Bildung vorgeschrieben, die aber nicht durch staatlichen Unterricht sondern durch staatliche Prüfungen nachzuweisen ist.
Ich bemerke gerade, dass ich dabei bin, mich in ein Plädoyer für Homeschooling rein zu schreiben, als mich das Klingeln des Telefons rettet. Erfahrungsbericht eines im Homeschooling engagierten Vaters, der „nebenbei“ auch noch seinen 10 Stundenarbeitstag im selbstständigen Homeoffice erledigen muss:

Heute war es furchtbar. Keine Lust auf lernen, keine Lust auf gar nix hat das Kind. Mathe ist sowieso nicht das Lieblingsfach, bei den Matheaufgaben wurde das Kind rebellisch. Drakonische Strafandrohungen (keine Lasagne zum Mittagessen und kein Fernsehen für den Rest des Tages) statt pädagogischem Fingerspitzengefühl brachen sich Bahn. Der Lernerfolg blieb bei Null, dafür gab es Tränenausbrüche beim Kind und ein schlechtes Gewissen beim Papa. Dann lieber einen Schwenk zum Lesen machen. Das ging deutlich besser als rechnen. Und Papa macht sich versöhnlich gestimmt auf in die Küche, Lasagne zubereiten als Versöhnungsangebot. Fernsehen bleibt aber trotzdem gestrichen, da spielen wir lieber zusammen „Mensch ärgere dich nicht“.

Gerade noch die Kurve gekriegt, denke ich mir. Schule zu Hause muss ja auch nicht heißen, dass die Eltern selber zu nervlich gestressten „Pauker*innen“ werden.
Das Thema „Lernen mit Corona“ wird mich länger beschäftigen. Nach ein paar Tagen erklärt mir das Enkelkind, dass zu Hause lernen doch ganz schön ist, aber die Freundinnen arg fehlen. Wir verabreden dazu ein längeres Telefonat.
Darauf freut Ihr Euch hoffentlich genauso wie ich.
Bleibt gesund und schaut nach vorne!