Alle Jahre wieder... taucht die Diskussion über ein Sterben in Würde auf. Leider richtet sich der Focus dabei fast ausschließlich auf den Punkt Selbstbestimmtes Sterben".
In fast allen Kulturen und Religionen ist die Selbsttötung ein Tabu, oft sogar geächtet und verboten. Aus gutem Grund. Denn der Tod gehört zu unserem Leben genauso dazu wie die Geburt. Es geht dabei um Anfang und Ende, um ein vollständiges Leben. Sterben in Würde - und damit auch selbstbestimmtes Sterben, bedeutet mehr als irgendwann den Stecker zu ziehen.
Früher starben die Menschen deutlich qualvoller (aus medizinischer Sicht), aber eben auch deutlich würdevoller. Der erkrankte oder eben alte Mensch starb zu Hause, umgeben und umsorgt von der ganzen Familie. Und die Fürsten meist noch vom ganzen Hofstaat. Niemand musste den letzen Gang allein antreten.
Heute haben wir eine ausgezeichnete medizinische Versorgung, werden sehr viel älter und sterben meist einsam auf einer abgeriegelten Intensivstation.
An dieser Stelle setzt dann immer die Diskussion um Sterben in Würde und Selbstbestimmtes Sterben an. Das ist aber zu spät.
In Deutschland haben wir eine Fülle von gesetzlich geregelten und geschützten Möglichkeiten, um für unseren Tod Vorsorge zu treffen. Nur müssen wird das tun, solange wir noch dazu in der Lage sind. Allein über die Patientenverfügung lässt sich einfach und rechtssicher ein würdevoller Tod gestalten. Wenn wir alle solche Möglichkeiten nutzen würden, wäre dieser immer wieder aufkommende und fehlgeleitete Diskussion nicht nötig.
Selbstbestimmt Sterben muss daher unbedingt grundlegend betrachtet werden. Natürlich kann man sich theoretisch vorstellen, ab welchem Schmerz oder Leid man lieber sofort sterben möchte. Doch jeder von uns unterschätzt dabei den ungeheuer großen Selbsterhaltungstrieb und Lebenswillen, der in jedem Menschen schlummert. Auch lebensgefährlich verletzte Menschen entwickeln im Angesicht des Todes diese Stärke und überleben - was ich aus eigener Erfahrung weiß.
Wir müssen uns alle nur viel früher mit dem Gedanken an den Tod "anfreunden" und im Vollbesitz von körperlichen und geistigen Kräften entsprechende Verfügungen treffen. Dann rückt der Tod wieder dahin, wo er hingehört: ins Leben, als dessen Schlusspunkt, vor dem wir uns nicht fürchten müssen.
Montag, 27. Oktober 2014
Donnerstag, 20. März 2014
"Weinkauf am liebsten bei Aldi"
Die Deutschen kaufen also gerne mal auch hochwertigen Wein beim Discounter. 74% aller verkauften Weine in Deutschland kommen so von Aldi und Co. Der Trend geht sogar zu den höherwertigen Weinen. Und der Durchschnittspreis pro Liter ist auf sagenhafte 2,84 Euro angestiegen.
Wow, welch ein Unsinn. Die Kosten für eine 750 ml Glasflasche liegen, bei Großabnahme bei mindestens 50 Cent. Etiketten (und man braucht pro Flasche mindestens 2) kosten, auch bei Großabnahmem 6,5 Cent pro Stück. Flaschenkorken (preiwerter Pressnaturkork) kostet zwischen 6,5 und 10 Cent. Macht bereits 66,5 Cent nur für Abfüllmaterial. Dazu kommen dann noch die Kosten für die hygienische Aufbereitung von Flaschen und Kork, die Flaschanfüllmaschine, Lohnkosten in der Kellerei, im Weinberg vom Frühjahr bis zur Ernte. Selbst bei allergünstigsten Konditionen kommt man auf einen Grundpreis von ca. 1,50 Euro pro 0,75l Flasche.
Wein ist dann aber noch nicht in der Flasche. Die Kosten für die Trauben sind noch dazuzurechnen. Transportkosten, Zoll, Steuer und Mehrwertsteuer wären auch noch zu berücksichtigen. Dazu summieren sich dann noch diverse Lagerkosten (von der Kellerei über Zwischenlager bis in den Laden. Wenn der Durchschnittspreis dann bei 2,84 Euro liegt, dürfte sich irgendeine Plürre in der Flasche befinden, aber garantiert kein höherwerrtiger Wein.
Abgesehen davon sind die Marktanteile völlig unrealistisch. Allein in Deutschland gibt es eine Fülle von namhaften Weinkellereien, die wohl nie im Discounterregale landen. Kloster Eberbach sei da nur mal stellvetretend genannt - und die produzieren in guten Jahren alleine mehr als 1 Mio. Flaschen. Auch unter den namhaften französischen, spanischen und italienischen Kellereien gibt es deutlich mehr, die nie in den Discount gehen werden als das sie dort verkaufen würden.
Mit einem Literpreis von 2,84 € kann man nicht mal andeutungsweise einen Qualitätswein produzieren, geschweige denn in den Handel bringen. Billigen Tafelwein schon. Die 74% Marktanteil zweifele ich dennoch an. Nach eigener Erfahrung verkaufen, egal ob große oder kleine Kellereien, 25% einen Teil ihrer Weine an Discounter. Und in Düsseldorf sitzen die Weintester und Chefeinkäufer von Aldi. Manche Meldung sollte man vor dem Druck besser nachrecherchieren. Immerhin verrät sie uns eine Menge über die mangelnde Qualität der Weine in den Discountregalen.
Wow, welch ein Unsinn. Die Kosten für eine 750 ml Glasflasche liegen, bei Großabnahme bei mindestens 50 Cent. Etiketten (und man braucht pro Flasche mindestens 2) kosten, auch bei Großabnahmem 6,5 Cent pro Stück. Flaschenkorken (preiwerter Pressnaturkork) kostet zwischen 6,5 und 10 Cent. Macht bereits 66,5 Cent nur für Abfüllmaterial. Dazu kommen dann noch die Kosten für die hygienische Aufbereitung von Flaschen und Kork, die Flaschanfüllmaschine, Lohnkosten in der Kellerei, im Weinberg vom Frühjahr bis zur Ernte. Selbst bei allergünstigsten Konditionen kommt man auf einen Grundpreis von ca. 1,50 Euro pro 0,75l Flasche.
Wein ist dann aber noch nicht in der Flasche. Die Kosten für die Trauben sind noch dazuzurechnen. Transportkosten, Zoll, Steuer und Mehrwertsteuer wären auch noch zu berücksichtigen. Dazu summieren sich dann noch diverse Lagerkosten (von der Kellerei über Zwischenlager bis in den Laden. Wenn der Durchschnittspreis dann bei 2,84 Euro liegt, dürfte sich irgendeine Plürre in der Flasche befinden, aber garantiert kein höherwerrtiger Wein.
Abgesehen davon sind die Marktanteile völlig unrealistisch. Allein in Deutschland gibt es eine Fülle von namhaften Weinkellereien, die wohl nie im Discounterregale landen. Kloster Eberbach sei da nur mal stellvetretend genannt - und die produzieren in guten Jahren alleine mehr als 1 Mio. Flaschen. Auch unter den namhaften französischen, spanischen und italienischen Kellereien gibt es deutlich mehr, die nie in den Discount gehen werden als das sie dort verkaufen würden.
Mit einem Literpreis von 2,84 € kann man nicht mal andeutungsweise einen Qualitätswein produzieren, geschweige denn in den Handel bringen. Billigen Tafelwein schon. Die 74% Marktanteil zweifele ich dennoch an. Nach eigener Erfahrung verkaufen, egal ob große oder kleine Kellereien, 25% einen Teil ihrer Weine an Discounter. Und in Düsseldorf sitzen die Weintester und Chefeinkäufer von Aldi. Manche Meldung sollte man vor dem Druck besser nachrecherchieren. Immerhin verrät sie uns eine Menge über die mangelnde Qualität der Weine in den Discountregalen.
"Ältere Arbeitnehmer sind heiß begehrt" und "Alte geben ihr Wissen weiter"
Es sind tolle Nachrichten. Seit Jahrzehnten sind die Arbeitslosenzahlen bei den Menschen über 55 im Verhältnis deutlich höher als der Durchschnitt. Und nun plötzlich Jubel allerorten? Doch worauf beruhen diese wunderbaren Zahlen? Liegen da die echten Statistischen Angaben der Agentur für Arbeit zu Grunde? Das wird an keiner Stelle benannt. Fakt ist aber etwas anderes. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sprechen für sich. Die Gesamtarbeitslosenzahl bei Menschen über 55 lag im Jahr 2013 konstant deutlich über 550.000 Menschen. Ende 2013 lag sie exakt bei 550.587 Menschen. Und im Januar 2014 dann bei 619.126 Menschen im Alter über 55 Jahren, im Februar 2014 dann bei 616.457 Menschen. Ist Nordhessen jetzt eine Oase der Glückseligkeit für ältere ArbeitnehmerInnen, kehrt sich ausgerechnet hier der Trend um? Toll wäre das ja, aber auch mein persönliches Erleben spricht dagegen.
Ältere Menschen haben faktisch kaum eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine ihren Qualifikationen und ihrer Berufserfahrung angemessenen Job zu finden. Die in den beiden Berichten genannten Zahlen würde ich ja gern glauben, wenn es denn eine prüfbare Quelle gäbe. Aber ich kenne nicht mal einen Menschen der über 55 Jahre ist und nach Arbeitslosigkeit wieder eine angemessenen Beschäftigung gefunden hat.
Hier wurden offenbar längere Beschäftigungszeiten in dieser Altersgruppe schon als Anstieg der Beschäftigung gezählt. Das aber ist eine bewusste Irreführung und gegenüber den von Arbeitslosigekeit betroffene älteren Menschen auch mehr als unfair.
Ältere Menschen haben faktisch kaum eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine ihren Qualifikationen und ihrer Berufserfahrung angemessenen Job zu finden. Die in den beiden Berichten genannten Zahlen würde ich ja gern glauben, wenn es denn eine prüfbare Quelle gäbe. Aber ich kenne nicht mal einen Menschen der über 55 Jahre ist und nach Arbeitslosigkeit wieder eine angemessenen Beschäftigung gefunden hat.
Hier wurden offenbar längere Beschäftigungszeiten in dieser Altersgruppe schon als Anstieg der Beschäftigung gezählt. Das aber ist eine bewusste Irreführung und gegenüber den von Arbeitslosigekeit betroffene älteren Menschen auch mehr als unfair.
Freitag, 20. Dezember 2013
Grüße zum Jahresende
In
der Heiligen Nacht tritt man gern einmal aus der Tür und steht allein
unter dem Himmel, nur um zu spüren, wie still es ist, wie alles den Atem
anhält, um auf das Wunder zu warten.
(Heinrich Waggerl)
Nella Notte Santa si entra come una volta fuori dalla porta e stand
alone sotto il cielo, solo per sentire il silenzio che c'è, come tutto
fiato si ferma ad aspettare il miracolo.
(Heinrich Waggerl)
In the Holy Night one enters like once out the door and stands alone
under the sky, only to feel how quiet it is, how it all breath
stops to wait for the miracle.
(Heinrich Waggerl)
Eine wunderbare Weihnacht und ein glückliches neues Jahr wünscht Ihnen / Euch allen
Klaus Reichenbach
Mittwoch, 24. Juli 2013
30 Millionen für 174 Schwimmer mehr - oder Kassel, deine Bäder
Nach langer Zeit besuchte ich am Montag (22.7.) mal wieder das Wilhemshöher Bad. Welch ein Schock.
Hier ist die Zeit stehen geblieben. Alle Umkleideräume geschlossen, statt dessen zwei Container, die mehr schlecht als recht zum Umziehen herhalten müssen. Die Gesamt-Anlage macht einen ungepflegten, weil ungeliebten Eindruck. Hier wurde ganz offensichtlich über Jahrzehnte bewusst auf den Verfall gesetzt, das Eigentum der Bürger schwer geschädigt.
Und trotzdem, das Freibad war an diesem ganz normalen Arbeitstag gut besucht. Mir fielen die Zeiten ein, in denen das gesamte Gelände und die Gebäude in einem guten Zustand waren. Kann bald 30 Jahre her sein, aber da war das Gelände rappelvoll und im Becken gab es nur noch Stehplätze.
Mittwoch nun die "Rekordmeldung". Das neue Auebad hat nach Eröffnung bei Kosten von deutlich über 30 Millionen immerhin 174 Besucher mehr als das völlig vernachlässigte Bad in Wilhelmshöhe.
Betrachtet man noch das entsprechende Bild in der HNA vom 22.7. weiß man aber auch, dass bei den Besucherzahlen in der Aue kaum mehr drin ist. Die Grünflächen sind dicht belegt, die Beckenränder dicht besetzt, schatten- spendende Bäume offensichtlich nicht vorgesehen. So wird es am Ende wohl im Sommer bei einem kleinen Plus von 2-300 mehr Besuchern bleiben. Und das zu einem doppelt hohen Preis.
Zunächst vernachlässigt man ein beliebtes Freibad bis in die Kernsubstanz um es dann zu schließen. Und man baut ein neues "Kombi-Bad", dass von der ersten 20 Millionen Planung nun glücklich bei 32 Mio Kosten ankam.
Wir dürfen schon gespannt auf die Rekordbesucherzahlen im Winter sein: Auebad 1.000 Besucher (ich bin mal Optimist), Freibad Wilhelmshöhe 0 Besucher, aber 2.000 Demonstranten gegen die Schließung und den Verkauf als Baugelände.
Hier ist die Zeit stehen geblieben. Alle Umkleideräume geschlossen, statt dessen zwei Container, die mehr schlecht als recht zum Umziehen herhalten müssen. Die Gesamt-Anlage macht einen ungepflegten, weil ungeliebten Eindruck. Hier wurde ganz offensichtlich über Jahrzehnte bewusst auf den Verfall gesetzt, das Eigentum der Bürger schwer geschädigt.
Und trotzdem, das Freibad war an diesem ganz normalen Arbeitstag gut besucht. Mir fielen die Zeiten ein, in denen das gesamte Gelände und die Gebäude in einem guten Zustand waren. Kann bald 30 Jahre her sein, aber da war das Gelände rappelvoll und im Becken gab es nur noch Stehplätze.
Mittwoch nun die "Rekordmeldung". Das neue Auebad hat nach Eröffnung bei Kosten von deutlich über 30 Millionen immerhin 174 Besucher mehr als das völlig vernachlässigte Bad in Wilhelmshöhe.
Betrachtet man noch das entsprechende Bild in der HNA vom 22.7. weiß man aber auch, dass bei den Besucherzahlen in der Aue kaum mehr drin ist. Die Grünflächen sind dicht belegt, die Beckenränder dicht besetzt, schatten- spendende Bäume offensichtlich nicht vorgesehen. So wird es am Ende wohl im Sommer bei einem kleinen Plus von 2-300 mehr Besuchern bleiben. Und das zu einem doppelt hohen Preis.
Zunächst vernachlässigt man ein beliebtes Freibad bis in die Kernsubstanz um es dann zu schließen. Und man baut ein neues "Kombi-Bad", dass von der ersten 20 Millionen Planung nun glücklich bei 32 Mio Kosten ankam.
Wir dürfen schon gespannt auf die Rekordbesucherzahlen im Winter sein: Auebad 1.000 Besucher (ich bin mal Optimist), Freibad Wilhelmshöhe 0 Besucher, aber 2.000 Demonstranten gegen die Schließung und den Verkauf als Baugelände.
Potz-Blitz
Anderen Orts würde man diese Vorgehensweise als "beratungsresistent" bezeichnen.
Nicht so in Kassel.
Gerade erst entscheidet ein Gericht, dass Radarmessungen über externe Dienstleister nur unter hoheitlicher Aufsicht zulässig sind, da werden erneut solche abstrusen Pläne aus dem Ordnungsamt bekannt.
Aus den öffentlich gemachten Unterlagen geht jetzt schon hervor, dass man im Ordnungsamt nicht über die nötigen Kompetenzen und ausreichend Personal verfügt. Diese Angaben beziehen sich zwar auf die notwendige europaweite Ausschreibung. Aber wenn es da schon am Know How fehlt? Mit der Beaufsichtigung der bisher fünf Blitzer eines externen Dienstleisters waren die Mitarbeiter des zuständigen Dezernats doch schon überfordert.
Was aber passiert dann bei der fünffachen Anzahl? Beängstigend ist auch, das man eine Zahl für künftige Radarmessgeräte nennt, aber keinerlei Angaben zu den möglichen Standorten für 20 weitere Geräte macht. Hier wird der dritte vor dem ersten Schritt gemacht.
Erst das Konzept, dann eine Machbarkeitsstudie mit klaren Zielvorgaben, dann Ausschreibung und Umsetzung. Die beiden obersten Ziele müssen dabei sein: Gefahren- und Unfallschwerpunkte in den Griff bekommen und Betrieb und (!) Überwachung durch städtische Mitarbeiter, damit auch die gesetzlich vorgeschriebenen Betriebsvorschriften eingehalten werden können.
Wem schon die Kompetenz für eine EU Ausschreibung fehlt, der sollte von so einem komplexen Vorgang lieber die Finger lassen.
Gerade erst entscheidet ein Gericht, dass Radarmessungen über externe Dienstleister nur unter hoheitlicher Aufsicht zulässig sind, da werden erneut solche abstrusen Pläne aus dem Ordnungsamt bekannt.
Aus den öffentlich gemachten Unterlagen geht jetzt schon hervor, dass man im Ordnungsamt nicht über die nötigen Kompetenzen und ausreichend Personal verfügt. Diese Angaben beziehen sich zwar auf die notwendige europaweite Ausschreibung. Aber wenn es da schon am Know How fehlt? Mit der Beaufsichtigung der bisher fünf Blitzer eines externen Dienstleisters waren die Mitarbeiter des zuständigen Dezernats doch schon überfordert.
Was aber passiert dann bei der fünffachen Anzahl? Beängstigend ist auch, das man eine Zahl für künftige Radarmessgeräte nennt, aber keinerlei Angaben zu den möglichen Standorten für 20 weitere Geräte macht. Hier wird der dritte vor dem ersten Schritt gemacht.
Erst das Konzept, dann eine Machbarkeitsstudie mit klaren Zielvorgaben, dann Ausschreibung und Umsetzung. Die beiden obersten Ziele müssen dabei sein: Gefahren- und Unfallschwerpunkte in den Griff bekommen und Betrieb und (!) Überwachung durch städtische Mitarbeiter, damit auch die gesetzlich vorgeschriebenen Betriebsvorschriften eingehalten werden können.
Wem schon die Kompetenz für eine EU Ausschreibung fehlt, der sollte von so einem komplexen Vorgang lieber die Finger lassen.
Samstag, 30. März 2013
Tauschringtypologien, Teil 2: Von OrganisatorInnen und Orga-Teams
Durch das Bundes-ArbeitsTreffen Tauschsysteme (BATT) 2012, seine Vor- und Nachbereitung und die Vorarbeiten zum BATT 2013 bin ich auch wieder mit den organisatorischen Besonderheiten in Tauschsystemen konfrontiert worden.
:: Grundsätzliches vorweg
Eigentlich ist es nichts besonderes, nichts ungewöhnliches: in jeder Firma, jedem Verein oder Verband, in jeder kommunalen oder auch Bundeseinrichtung gibt es immer und überall etwas zu organisieren. Ob das der täglich wiederkehrende Arbeitsalltag ist, ob eine wöchentliche Jour fix ansteht, eine Tagung, eine Messe, ein Jubiläum, ein Konzert, ein Projekt - immer muss das ja irgendwie organisiert werden. Mal von einem Menschen allein, mal von kleinen, mal von großen Teams. Mal werden sie von Vorgesetzten einfach bestimmt, mal werden sie gewählt, mal werden sie auch "ausgeguckt". Meist finden sich Menschen, die gerne etwas vorbereiten, organisieren und planen. Meist haben sie auch ein Talent dafür. In der Regel entstehen so großartige Veranstaltungen. Als TeilnehmerIn nimmt man dann teil, genießt es in der Regel, weil alles gut funktioniert, weil man etwas lernen kann, interessante Menschen kennen lernt oder auch wunderbare ReferentInnen da sind.
:: Die Tauschsysteme
Auch die wollen irgendwie organisiert sein. In den stürmischen (Neu-)Gründerjahren 94-96 dachten sehr viele, da muss man nicht viel organisieren. Das regelt sich am besten von allein. Tauschsysteme wollten außerdem anders sein, also sollte es auch keine der üblichen, oft auch als typisch deutsch fast verachteten Institutionen wie Verein, Vorstand, oder gar Geschäftsführung, SprecherIn oder so, geben. Klare Strukturen oder Regeln wurden oft gar nicht erst geschaffen. Damit sollte vor allem Basisdemokratie befördert werden. Alle sollten alles verantworten, organisieren, "machen". Hirarchien oder gar Machtstrukturen sollten sich gar nicht erst etablieren.
:: Die OrganisatorInnen
Naturtalente, sie waren plötzlich alle da. Tauschsysteme waren anders, niedrigschwelliger Zugang, wer sich engagierte wurde gern und sofort auch mit umfangreichen Aufgaben betraut. Mit Elan und großer Kreativität gingen sie ans Werk. Örtliche Veranstaltungen, Markttage, Regional, Landes- und Bundestreffen, Pressearbeit, Marktzeitung und vieles mehr. Hier durften Mitte der Neunziger Jahre viele, die sonst ausgegrenzt waren, aktiv eine gesellschaftliche Bewegung mitgestalten. Es war einfach, und das war ja auch die Grundidee. Jede/r kann mitmachen. Arbeitslose, MigrantInnen, Menschen mit Behinderungen, sie alle konnten ihre Organisationstalente einbringen. Und die machten das für die Idee, für das Tauschsystem. Viele offenbarten oft schon nach wenigen Wochen erstaunliche Fähigkeiten. So kam es, wie es kommen musste. Viele dieser OrganisatorInnen wurden auf Grund ihrer Talente und Fähigkeiten von Unternehmen und Verbänden "entdeckt". Das war toll, denn fast alle waren vorher arbeitslos. Ihr Engagement brachte Ihnen einen bezahlten Job ein. Oft sogar gut bezahlt, aber gleichzeitig fehlte dann die Zeit, sich weiter im Tauschsystem zu engagieren. Und in der Zeit kamen sie...
:: Die Orga-Teams
In der Form und auch mit diesem Namen gibt es das wohl nur in Tauschsystemen. Allein der Name schon. Ich dachte des öfteren daran, ihn zum Unwort des Jahres vorzuschlagen. Aber was ist ein Orga-Team eigentlich? Teams, die etwas organisieren, die findet man natürlich überall. In Tauschsystemen sind sie aber was besonderes. Denn sie bestehen fast aussschließlich aus selbstberufenen Orga(nisations)-Spezialisten. Speziell zu erkennen allein schon daran, dass das Wort Organisation immer zu "Orga" verstümmelt wird. Eine merkwürdige Entwicklung, hier tummelte sich plötzlich alles, was sich zu Größerem berufen fühlte. Sich einbringen, ganz ohne große Regeln oder Wahlen, gleichberechtigt in einem Orga-Team. Herrlich, so einfach - und so ganz ohne echte Verantwortung. Dafür aber häufig mit viel Macht.
Bald schon tauchten sie auf, die ersten "Funksprüche": "Hallo Orga, hier Basis. Könnt ihr uns hören? Wir finden, dass ihr abgehoben wie in einem Raumschiff ohne Funkverbindung über unsere Köpfe weg entscheidet. Schaltet mal den Buschfunk ein und kommt zum Mitgliedertreff." So oder ähnlich geisterten vielerorts Kommentare, Nachrichten, Mails, ja sogar verzweifelte Hilferufe durch die Szene.
Was war geschehen - oder geschieht noch? Die Mitglieder solcher Teams sind nie gewählt worden. Sie waren immer sehr aktiv, böse Zungen sagten auch hyperaktiv. Sie wollten alles schnell und auf einmal, sie hatten keine Zeit für Diskussionen oder Abstimmungen. Sie fragten nicht lang, sie machten.
Machen kam hier aber leider viel zu oft von Macht. Diese berühmt-berüchtigten Orga's waren gefüllt mit Menschen, die in anderen Organisationen, in denen klare demokratische Regeln festgelegt waren, chancenlos. Aber im Tauschsystem war's einfach. Notfalls wurden in endlosen Diskussionen aus Regeln eben "Spielregeln". Und an Spielregeln hält man sich nur so lange, wie man Spaß dran hat und sie bestimmen kann. Kaum kommt der erste "Funkspruch", gingen einige beleidigt auf Tauschstation, andere warfen so hin, dass ein Schrebenhaufen übrig blieb, wieder andere brachen erst noch mal einen Riesenstreit vom Zaun, der manchmal sogar das Tauschsystem zerstörte.
Und wenn sie nicht gestorben sind... mit Erschrecken habe ich jetzt nach vier Jahren Pause festgestellt, dass diese beiden Typologien immer noch da sind. Leider auch immer noch zu viele Orga-Teams.
:: Grundsätzliches vorweg
Eigentlich ist es nichts besonderes, nichts ungewöhnliches: in jeder Firma, jedem Verein oder Verband, in jeder kommunalen oder auch Bundeseinrichtung gibt es immer und überall etwas zu organisieren. Ob das der täglich wiederkehrende Arbeitsalltag ist, ob eine wöchentliche Jour fix ansteht, eine Tagung, eine Messe, ein Jubiläum, ein Konzert, ein Projekt - immer muss das ja irgendwie organisiert werden. Mal von einem Menschen allein, mal von kleinen, mal von großen Teams. Mal werden sie von Vorgesetzten einfach bestimmt, mal werden sie gewählt, mal werden sie auch "ausgeguckt". Meist finden sich Menschen, die gerne etwas vorbereiten, organisieren und planen. Meist haben sie auch ein Talent dafür. In der Regel entstehen so großartige Veranstaltungen. Als TeilnehmerIn nimmt man dann teil, genießt es in der Regel, weil alles gut funktioniert, weil man etwas lernen kann, interessante Menschen kennen lernt oder auch wunderbare ReferentInnen da sind.
:: Die Tauschsysteme
Auch die wollen irgendwie organisiert sein. In den stürmischen (Neu-)Gründerjahren 94-96 dachten sehr viele, da muss man nicht viel organisieren. Das regelt sich am besten von allein. Tauschsysteme wollten außerdem anders sein, also sollte es auch keine der üblichen, oft auch als typisch deutsch fast verachteten Institutionen wie Verein, Vorstand, oder gar Geschäftsführung, SprecherIn oder so, geben. Klare Strukturen oder Regeln wurden oft gar nicht erst geschaffen. Damit sollte vor allem Basisdemokratie befördert werden. Alle sollten alles verantworten, organisieren, "machen". Hirarchien oder gar Machtstrukturen sollten sich gar nicht erst etablieren.
:: Die OrganisatorInnen
Naturtalente, sie waren plötzlich alle da. Tauschsysteme waren anders, niedrigschwelliger Zugang, wer sich engagierte wurde gern und sofort auch mit umfangreichen Aufgaben betraut. Mit Elan und großer Kreativität gingen sie ans Werk. Örtliche Veranstaltungen, Markttage, Regional, Landes- und Bundestreffen, Pressearbeit, Marktzeitung und vieles mehr. Hier durften Mitte der Neunziger Jahre viele, die sonst ausgegrenzt waren, aktiv eine gesellschaftliche Bewegung mitgestalten. Es war einfach, und das war ja auch die Grundidee. Jede/r kann mitmachen. Arbeitslose, MigrantInnen, Menschen mit Behinderungen, sie alle konnten ihre Organisationstalente einbringen. Und die machten das für die Idee, für das Tauschsystem. Viele offenbarten oft schon nach wenigen Wochen erstaunliche Fähigkeiten. So kam es, wie es kommen musste. Viele dieser OrganisatorInnen wurden auf Grund ihrer Talente und Fähigkeiten von Unternehmen und Verbänden "entdeckt". Das war toll, denn fast alle waren vorher arbeitslos. Ihr Engagement brachte Ihnen einen bezahlten Job ein. Oft sogar gut bezahlt, aber gleichzeitig fehlte dann die Zeit, sich weiter im Tauschsystem zu engagieren. Und in der Zeit kamen sie...
:: Die Orga-Teams
In der Form und auch mit diesem Namen gibt es das wohl nur in Tauschsystemen. Allein der Name schon. Ich dachte des öfteren daran, ihn zum Unwort des Jahres vorzuschlagen. Aber was ist ein Orga-Team eigentlich? Teams, die etwas organisieren, die findet man natürlich überall. In Tauschsystemen sind sie aber was besonderes. Denn sie bestehen fast aussschließlich aus selbstberufenen Orga(nisations)-Spezialisten. Speziell zu erkennen allein schon daran, dass das Wort Organisation immer zu "Orga" verstümmelt wird. Eine merkwürdige Entwicklung, hier tummelte sich plötzlich alles, was sich zu Größerem berufen fühlte. Sich einbringen, ganz ohne große Regeln oder Wahlen, gleichberechtigt in einem Orga-Team. Herrlich, so einfach - und so ganz ohne echte Verantwortung. Dafür aber häufig mit viel Macht.
Bald schon tauchten sie auf, die ersten "Funksprüche": "Hallo Orga, hier Basis. Könnt ihr uns hören? Wir finden, dass ihr abgehoben wie in einem Raumschiff ohne Funkverbindung über unsere Köpfe weg entscheidet. Schaltet mal den Buschfunk ein und kommt zum Mitgliedertreff." So oder ähnlich geisterten vielerorts Kommentare, Nachrichten, Mails, ja sogar verzweifelte Hilferufe durch die Szene.
Was war geschehen - oder geschieht noch? Die Mitglieder solcher Teams sind nie gewählt worden. Sie waren immer sehr aktiv, böse Zungen sagten auch hyperaktiv. Sie wollten alles schnell und auf einmal, sie hatten keine Zeit für Diskussionen oder Abstimmungen. Sie fragten nicht lang, sie machten.
Machen kam hier aber leider viel zu oft von Macht. Diese berühmt-berüchtigten Orga's waren gefüllt mit Menschen, die in anderen Organisationen, in denen klare demokratische Regeln festgelegt waren, chancenlos. Aber im Tauschsystem war's einfach. Notfalls wurden in endlosen Diskussionen aus Regeln eben "Spielregeln". Und an Spielregeln hält man sich nur so lange, wie man Spaß dran hat und sie bestimmen kann. Kaum kommt der erste "Funkspruch", gingen einige beleidigt auf Tauschstation, andere warfen so hin, dass ein Schrebenhaufen übrig blieb, wieder andere brachen erst noch mal einen Riesenstreit vom Zaun, der manchmal sogar das Tauschsystem zerstörte.
Und wenn sie nicht gestorben sind... mit Erschrecken habe ich jetzt nach vier Jahren Pause festgestellt, dass diese beiden Typologien immer noch da sind. Leider auch immer noch zu viele Orga-Teams.
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